Mantra Musik

Freitag, 21. Juli 2017

Es geben bekannt...



Endlich nach fast 20 Jahren darf ich meine Frau heiraten. 💕


Heute wurde das Gesetz zur Eheschließung Homosexueller Menschen unterzeichnet.
Am 22 Februar 2018, den Tag unserer Eintragung - 20 Jahre nach unserem Kennen lernen, werden wir Heiraten. - wo wissen wir noch nicht genau, aber wir würden gerne auf einem Leuchtturm heiraten.

DANKE!!

Herzliche Grüße und ein Namasté von eurer Andarnil

Dienstag, 18. Juli 2017

OFFENER BRIEF an die Universitätsleitung Uni-Kassel

Zu den unsäglichen Artikeln und Interviews des Professors Ulrich Kutschera habe ich folgende öffentliche EMail an die Universitätsleitung geschrieben:

ÖFFENTLICHER BRIEF!


Bildergebnis für Uni Kassel öffentliche Bilder

Sehr geehrte Damen und Herren,

diese Mail ist an sie alle gerichtet, eine Abschrift hierzu werde ich auch an die Medien weiterreichen, sowie als öffentlichen Brief über Facebook, Google und Twitter verteilen.
Denn was ich hier zu sagen habe, geht alle an und sollte nicht in den Schubladen ihrer Schreibtische verschwinden.

Trotz des offenen Briefes (Distanzierung) der Unterzeichneten der Uni Kassel über das am 11 Juli 2015 gegebene Radio Interview von Ulrich Kutschera
(https://www.uni-kassel.de/fb05/fileadmin/datas/fb05/FG_Politikwissenschaften/Entwicklungspolitik/Offener_Brief_zu_Kutscheras_Aeu%C3%9Ferungen.pdf), werden weiterhin Interviews von ihm gegeben, das letzte erfolgte am: 15 Juli 2017 mit dem Internet und Medienportal: Kath.net (http://www.kath.net/news/60177). Und weiterhin stellt er sich als Professor der Uni Kassel vor, was ein sehr schlechtes Licht auf die Universität wirft und die Leser des Interviews dazu verführt zu denken, sie als Universität würden seine Ansichten billigen und unterstützen.

Ich fordere sie hiermit auf sich öffentlich von den Ansichten des Evolutionsbiologen Ulrich Kutschera zu distanzieren UND Ulrich Kutschera des Amtes zu verweisen. Oder genauergesagt, ich fordere sie auf Ulrich Kutschera zu kündigen.

Ich bin eine von vielen Menschen die über Jahre sexuellen Missbrauch durch heterosexuelle Eltern erlebt haben. In dem letzten Interview sagte Kutschera:

"Bei heteronormalen Elternpaaren mit Kindern sorgt ein genetisch verankertes Inzucht-Verbot, das man auch als "instinktives Tabu" definieren kann, das z.B. bilogische Vätern nicht ihre 20 bis 30 Jahre jüngeren Töchter heiraten und mit ihnen Nachwuchs zeugen".

Ich kann aus genau diesen Gründen keine Kinder austragen, weil mein Vater durch sexuelle Handlungen an mir (vom 4 bis zum 16 Lebensjahr), meine Gebärmutter so stark verletzt hat. dass sie vernarbt ist. Aus dem Grund habe ich 3 Fehlgeburten erlitten. Dass ich trotzdem eine glückliche Mutter eines 9 Jahre alten Mädchens bin, habe ich meiner Frau zu verdanken.

JA ich passe vollkommen in das Feindbild des Professors, ich bin missbraucht worden und ich bin Lesbisch UND ich lebe in einer Familie mit meiner Frau und unserer kleinen Tochter. Weder ich noch meine Frau neigen zu Pädophilie und ich kenne keine Homosexuellen Familien die zu einer solchen Gräultat fähig sind. Im Gegenteil viele Regenbogenfamilien (homosexuelle Familien) haben nicht nur ein Kind, sondern mehrere eigene, adoptierte, sowie Pflegekinder.

Er beleidigt jeden Menschen der innerhalb der Familie sexuellen Missbrauch erlebt hat, er beleidigt unsere Familie in dem er im Interview sagt:

"Sollte das Adoptionsrecht für Mann-Mann- bzw. Frau-Frau - Erotikvereinigungen kommen, sehe ich staatlich geförderte Pädophilie und schwesten Kindesmissbrauch auf uns zu kommen."

Mit diesem Interview setzt er vorraus, dass all diese bereits geborenen, adoptierten und in Pflege genommenen Kinder von Homosexuellen Eltern sexuell missbraucht werden. Er diskriminiert und kriminalisiert nicht nur uns, sondern macht unsere Kinder zu Opfer ihrer Eltern. Das kann und will ich nicht hinnehmen.

Und ich erwarte von Ihnen, die sich dazu verpflichtet haben, als moderne, lebendige Universität den Studierenden ein möglichst fundiertes, fortschrittliches und Zeitgemäßes Bildungsangebot zu bieten, dass sie sich von solchen Professoren entbinden.
Denn Sie stehen als Vorbildfunktion junger Menschen an oberster Stelle.

Es darf nicht sein, dass Sie weiterhin einen Menschen beschäftigen, der von sich behauptet ein Professor ihrer Universität zu sein und seinen Professortitel dafür nutzt um beleidigende, diffamierende, diskriminierende und jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrende Artikel, Bücher und Interviews gegen Homosexuelle Familien mit Kindern zu verfassen.
Er schadet nicht nur uns, sondern vorallem unseren Kindern.

Er schadet einer gesellschaftlichen Entwicklung die endlich ermöglicht, dass wir aus einer Randgruppe, zu gesellschaftlich anerkannten Menschen werden, indem wir heiraten dürfen und unserer Familie somit den Schutz und die Sicherheit gewährleisten die vorallem unsere Kinder brauchen.

Ich erwarte von Ihnen eine öffentliche Stellungname!


Mit freundlichen Grüßen

Johanna Schlitzkus
Künstlerin,
Autorin und freie Redakteurin und Blogerin

Norderende 56,
21782 Bülkau.


Diese Mail wird sowohl in Facebook auf meiner Seite, als auch in meinen Gruppen zum Thema: Regenbogeneltern, Ehe für alle. Als auch auf meinem Google Profil, als auch über Twitter erscheinen.
Auch werde ich eine Abschrift an eine Freundin schicken, die als freie Redakteurin arbeitet.
Desweiteren werde ich mir weitere Schritt vorbehalten.

Donnerstag, 6. Juli 2017

Die Würde des Menschen...



Offener BRIEF (Ich wende mich an alle Politiker die für uns einstehen, ich wende mich an alle Menschen).


Es ist wirklich ganz furchtbar was ich seit dem 30.6. 2017 täglich lesen muss, ich habe damit gerechnet, gerade von Seiten der CDU/CSU, dass sie sich gegen das Gesetz der Ehe für alle zur Wehr setzen. Aber womit ich nicht gerechnet habe, ist der Hass der uns von Seiten Ehe-für-Alle-Gegnern, Homophoben Menschen, Rechtsextremisten und der katholischen Kirche entgegen gebracht wird. Ganz übel und heftigst brutal wird in Kommentaren sprachlich gegen uns und unsere Familien gehetzt. Wir werden mit Tieren verglichen, uns wird vorgeworfen wir seien Pädophil, wir seien krank.
So etwas hinterlässt bei mir ein Gefühl der Scham, ich schäme mich für diese Menschen die in meinem Land leben, in dem ich geboren bin. Ich fühle mich nicht mehr als Deutsche. Im Gegenteil es dauert nicht mehr lange und ich möchte flüchten.

Dabei gibt es für diesen Hass überhaupt keinen Grund. Wir tun niemanden etwas, wir nehmen niemanden etwas weg, im Gegenteil, durch uns wird die Ehe sogar aufgewertet.

Was hier passiert ist eine Schande für Deutschland. Das ist keine Demokratie, sondern Demagogie.

Wir sind Menschen die Frei leben möchten, die sich für eine Ehe entscheiden, weil wir unsere Partner/Innen und unsere Kinder absichern möchten. Wir schätzen die Ehe, weil sie für uns noch Wertvoll ist. Wir sind Menschen, Menschen mit einem Gerechtigkeitsbewusstsein, Gläubige Menschen, Menschen in unterschiedlichen Berufen, Menschen die in der Gesellschaft untergehen, da man unsere Homosexualität nicht erkennen kann. Und genau so soll es sein. Denn wir sind schon seit Menschengedenken Teil dieser Welt.
Und deshalb fordern wir Gerechtigkeit, nicht mehr und nicht weniger.
Wir fordern Respekt, denn eine Toleranz wurde uns all die Jahre gebilligt. Das ist und war nie genug. Toleranz heißt, dass man uns als Minderheit betrachtet. Als Minderwert. Das ist nicht das was wir brauchen, wir brauchen das Gefühl Teil des Ganzen zu sein, Teil aller Menschen, unabhängig des Geschlechts, der Sexualität, Religion, Hautfarbe und Nationalität.

Ich möchte dass es endlich aufhört, dass wir angefeindet werden, verprügelt werden, gehasst werden, getötet werden, abgeschoben, ausgestoßen. Ich möchte mit meiner Familie frei sein dürfen. Ich möchte dass unser Kind endlich als Mensch unter Menschen - Kind unter Kindern akzeptiert wird. Und das möchte ich für jeden Homosexuellen, Bi-Sexuellen, Transsexuellen Menschen und deren Kinder. Es wird endlich ZEIT das man uns erhört. Wir haben eine Stimme, wir haben eine Würde. Die Würde des Menschen ist unanstastbar. Unsere Würde wurde und wird mit Füßen getreten. Ich will das nicht mehr hinnehmen. ICH RUFE HIERMIT ZU EINER STILLEN FRIEDVOLLEN DEMONSTRATION AUF.

Wenn ihr der Meinung seid ist es reicht! Dann teilt meinen Beitrag!

#ICH bin #MUTTER!
#ICH bin #Homosexuell!
#ICH bin #MENSCH!

DANKE fürs Lesen

Johanna Schlitzkus, Mami einer 9 Jährigen Tochter (die ich nicht geboren habe, aber die ich über alles liebe und für dieses Kind kämpfe ich, auf dass sie ihre Rechte niemals erkämpfen muss), Ich bin Frau einer wundervollen Frau.

Samstag, 1. Juli 2017

Jo im Regenbogen


Es war ein wunder - wundervoller Tag und noch immer zehre ich von diesem Glück. Ja wir haben es endlich geschafft. Wir dürfen heiraten. Dieser Tag fing bei mir um kurz nach fünf an und wird wohl lange nicht enden, denn ich bin noch voller Endorphine, voller Serotonin.

Das ist MEIN Tagebuch für heute:



Tagebuch - Unser Tag

Wir saßen zusammen auf den Bett und ich hatte insgesamt 3 Seiten geöffnet: Bundestag, ZDF und Spiegel Online. Als dann klar war wir haben die Mehrheit für einen Antrag sind wir das erste Mal in Tränen ausgebrochen und ich konnte ein Freudenschrei nicht zurück halten. Britta nahm meine Hand und küsste sie. Eine Chance endlich. Zwischendurch hatten wir Probleme mit dem Streamen und als dann die Kantine eingeblendet wurde rastete Britta fast aus.
Die Rede von Kahrs und Beck fand ich am beeindruckendsten. Bei Kahrs hatte ich das Gefühl endlich darf er das sagen was er all die Jahre unterdrückt hat. Grossartig. Volker Beck hätte ich am liebsten geknutscht.

Als es dann endlich zur Auszählung kam machte unser Internet dicht.
Aber dann erfuhren wir es, ich hab geschrien und bin auf dem Bett herumgehopst. Ich muss so laut gebrüllt haben, dass Shaya aus ihrem Zimmer kam. Wir haben geweint und uns umarmt, dazwischen unser Kind das sich mit uns mit freute. Britta sah mir in die Augen und sagte: "Meine Frau endlich!"

So emotional und überglücklich.
Es war der Wahnsinn.
Heute abend werden wir mit unseren Freunden feiern. Auch sie haben vor dem PC gesessen zwischen ihren Kindern und auch sie werden heiraten, als wir uns heute morgen sahen gab es Umarmungen und gegenseitige Glückwünsche. Die Freude ist Bombastisch. Unsere Kinder werden Blumenmädchen sein, das steht schon fest.

Ich bin immer noch am weinen, während ich hier sitze, auf dem Weg zu Ikea. Wir haben erst vor ein paar Tagen unsere Ringe gefunden -nach all den Jahren ohne Ring. Trag ich sie nun mit Stolz.

Ich liebe dich unendlich meine Frau und ich freue mich auf unsere Hochzeit. Endlich!!!


Fazit heute:

In der Welt Online lese ich: "lesbisches Liebespaar und zur Hochzeit soll die Kanzlerin kommen",ich lese von einer Ronja die ihr Leben in Abhängigkeit von Merkel sieht.
In der FAZ lese ich, dass sich ein angeblich schwuler Mann unter einem Pseudonym absolut homophob über die Ehe für alle und den damit verbundenen "Selbstverrat" ausgelassen hat. Und über den Flashmob den er ausgelöst hat. Eigentlich wollte ich mehr lesen, aber dann überkommt mich dieses leise Gefühl von Bitterkeit, einen Moment lang zumindest, bis mein Serotonin wieder die Überhand gewinnt.

Was passiert mit den Menschen da draußen, was macht es mit ihnen, dass wir (das fast möchte ich hier streichen) gleichgestellt sind?
Wen außer uns, sollte es tangieren?
Wieso fühlen sich alle verpflichtet sich zu äussern, zu kommentieren, wütend zu sein, voller hass zu sein?
Viele behaupten: Wir sind nicht homophob, wir haben nur unsere (homophobe) Meinung und ihr solltet Tolerant genug sein, das zu akzeptieren, ihr erwartet ja auch Toleranz von uns. Und ich denke mir: Ist euch nicht bewusst wie schwachsinnig dieser Satz ist, er spiegelt mehr als nur eine homophobe Sicht. Er zeigt euren egozentrierten Stand in der Gesellschaft - so was wie: "Ich habe ältere Rechte als du und ich habe nicht vor meine Rechte mit dir zu teilen und das hast du gefälligst zu akzeptieren!". Als würde euch die Ehe gehören, als hättet ihr sie im letzten Supermarkt gekauft.

Manche greifen öffentlich an, drohen mit Karlsruhe, andere geben sich geradezu heroisch: "Ihr werdet es erleben wenn die Islamisierung kommt, seid ihr als erstes dran". Viele schwören es läge nur an den Sozialisten und dem linksversifften Pack. "Und die Merkel wird es sehen, wir lassen uns nicht von ihr verkaufen".
Verkaufen? Wen hat sie verkauft?? Ich verstehe es nicht.

Deutschland begibt sich auf die rechte Seite und merkt es noch nicht mal. Ich habe selten so einen scheiß gelesen wie: "Kann ich meinen Hamster auch heiraten?" oder: "jetzt gibt es auch die Kinderehe und die Vielehe, wir sind jetzt so weit, die Moslems haben es ja vorgemacht!"

Erschreckend wie unreflektiert und wie unglaublich dumm manche Kommentare sind.
Und bei all dem fühle ich mich wie auf einer Samtblauen Wolke, ganz oben. Die Bitterkeit war nur eine Sekunde und dann hat mich wieder das Glück eingeholt.

Es ist als wäre ich in Watte getaucht, egal was kommt, den heutigen Tag, die heutige Nacht kann uns niemand nehmen.
Daran halte ich mich fest, trotz des öffentlichen Hass, trotz der Widerlichkeit so mancher Kommentare.
Was immer da in den Köpfen der Menschen vor sich geht, es kam heute ganz deutlich zu Tage. Wir haben hier in Deutschland gespaltene Persönlichkeiten, sehr viele Rechtsextreme die sich hinter einem C verstecken. Menschen die eine tiefe Wut in sich tragen, gegen alles was nicht in ihr Weltbild passt. So viel Zorn und Gewalt. Was muss passiert sein in ihnen, das so zerstörerisch ist.

Aber wir haben auch die andere Seite, es gab heute viele Gratulanten, viele Menschen die mitweinten und feierten. Es gab Familien die sich für ihre Töchter und Söhne freuten und es gab und gibt einige Partys. In vielen Städten wird gefeiert, das Glück ist sichtbar. So sichtbar wie ein Regenbogen nach einer verregneten Zeit, wenn die Sonne hervorkommt und das Land erhellt.
Ich erlebe sehr viel Liebe und Zuneigung. Nur das zählt, dieses Näherrücken, diese unendlich schöne Liebe. Das Gemeinsame ist wie eine zarte Umarmung. Ich habe selten so geliebt wie heute, es strömte in mir, es floss über vor Mitfühlen und Miterleben.

Kein Mensch kann uns das nehmen, wenn ich an einen Gott glauben würde, wäre dieser Tag Göttlich. Im Buddhismus sagen wir mettâ dazu, allumfassende liebende Güte.
Das ist es was ich heute fühle, für jeden meiner Brüder und Schwestern, jeden der sich involviert fühlt. Von mir aus die ganze Welt, egal ob Homo, Trans oder Hetero. Wir alle sind in meinen Augen nur eine große Familie.

Auch wenn die hass und wutverzerrten Kommentare die andere Seite zeigen, zeigen sie doch nur eine Welt in der ich nicht bin, mit der ich nichts zu tun habe. Diese Menschen können niemals mitfühlen was ich fühle, nie das Glück erleben das ich erlebte als ich heute morgen die Hand meiner Frau hielt während ich gleichzeitig schrie vor Glück und Fassungslosigkeit.
Es ist wie eine warme Welle die mich immer noch umarmt.

Sie tun mir leid, diese wütenden traurigen Menschen. Es wird noch eine Weile so weiter gehen, es werden hasstiraden über den Äther laufen, vielleicht wird es erneut eine Zeit mit Merkel an der Spitze geben, vielleicht versinkt auch irgendwann unsere Welt in einen braun/schwarzen Loch.
Momentan ist mir das egal. Momentan zählt nur dieser Blick in die Augen meiner Frau - MEINER FRAU!!! Und nur das zählt, nur diese tiefe unendliche Liebe die ich fühle.

Möge dieser eine Augenblick nie enden....

DANKE von Herzen, dass es euch liebende mitfühlende Menschen gibt.

Es war ein wundervoller Tag.

Herzlichst eure Jo


Namasté ihr wundervollen Menschen... mein Traum wird sich erfüllen, es darf sein!

Freitag, 26. Mai 2017

Elternlos - Kapitel beendet.


Vor ein paar Tagen habe ich vom Tod meiner Mutter erfahren. Meine Nichte war sanft als sie mir sagte, das Sieglinde gestorben ist. Ich saß zu dem Zeitpunkt im Auto auf dem Parkplatz, Shaya saß auf dem Rücksitz und machte Hausaufgaben und Britta war kurz einkaufen. Als sie wiederkam war mein Heulkrampf schon fast vorbei.

Ich kann noch nicht mal sagen, warum ich geweint habe, es war keine Trauer, es war vielmehr das Gefühl gerne trauern zu würden. In dem Moment als ich es erfuhr, kamen viele Gefühle hoch, Gefühle die ich eigentlich schon vergessen hatte, ich hörte in Gedanken ihre Stimme: "Ich hasse dich, hasse dich, hasse dich... " Ein endloses Echo.
Auch auch solche Sätze wie: "was für ein hässliches Balg du doch bist und so was hab ich geboren" Und dann dieses hochziehen der Spucke und ausspucken, direkt in mein Gesicht.
Worte konnten mir damals kaum noch was anhaben, aber diese Spucke, ich habe mich so dermaßen geekelt und doch habe ich mich gezwungen ihr in die Augen zu schauen, wunderschöne grüne Augen in einem hasserfüllten Gesicht.
Ich hat mich unglaubliche Überwindung gekostet, für manche Autisten ist das die Hölle in die Augen anderer Menschen zu schauen und darin zu versinken, tiefer und tiefer... die komplette Emotionswelt des anderen zu sehen, zu erkennen, zu fühlen.
Ich schaff das schon ganz gut, ich konzentriere mich auf die Augenlieder, die Augenbrauen, auf die kleinen Falten unter den Augen.
Manchmal nervt mich meine Frau, weil sie sagt: "Jo schau mir in die Augen" Sie verlangt dann Blickkontakt, weil sie sich dadurch erhofft, dass ich dann besser für sie erreichbar bin.
Bin ich auch... aber es nervt mich trotzdem.

Zurück zu meiner Mutter.

Als ich erfuhr das sie tot ist, kam mir sofort ein Gedanke:

Die Zeit des Verzeihens ist vorbei
Die Zeit des Vergessens beginnt jetzt.


Es gibt nichts mehr zu verzeihen, ich kann einfach aufhören. Alles was ich jetzt noch tun muss ist sie und alles um sie herum vergessen. Ich vergesse ihre Stimme, ihr Gesicht, ihr Verhalten, ihren Hass, ihre Lieblosigkeit, ihre Wut, ihre Gewalt, ihre Zerbrechlichkeit, ihre Stärke, ihre Schwäche, ihre Dummheit, ich vergesse das sie Analphabet war, ich vergesse das sie keine Ahnung hatte wer das ist: Shakespeare, Wild, Poe, Descartes, Aristoteles, Heine und wie sie alle hießen die großen Philosophen und Schriftsteller.
Meine Mutter hat womöglich noch nie ein Buch in der Hand gehabt, dafür konnte sie Saufen bis zur Ohnmacht.

Ich vergesse das sie so dünn war wie ein Streichholz und wie wir sie erhängt fanden, ich vergesse ihre langen Spinnenfinger die nach mir griffen, die gelben Zähne mit den Zahnlücken. Ich vergesse ihren Geruch nach Spülmittelhänden und Palmolive Seife. <
Ich vergesse Toxi, die Geschichte die sie uns erzählte als wir noch klein waren, die Geschichte eines dunkelhäutigen Weisenmädchens, dass von niemanden geliebt wurde und als 12 Jährige schon auf den Strich ging. Ihre Geschichte.
Ich vergesse die Dessous die im Schritt offen waren und die hochhakigen Schuhe, ich vergesse den Raum mit den Pinkfarbenen Plüschsessel und meinen hellblauen Mantel. Und den Geruch und den Gestank nach Pisse und Sperma.
Ich vergesse ihren Gesang: "Ingrid, Gridilein, Stinkgrid, Flitchen, Hässlich Kind" wenn sie mich ärgern wollte.
Ich vergesse die Kämpfe die wir uns geliefert haben, angefeuert von Fremden und meinen Geschwistern. Ich vergesse meine Wut auf sie und die Ohrfeige die ich ihr einmal gab, als sie das letzte Brot vor uns aufaß und lachte obwohl wir seit Tagen hungerten.
Ich vergesse ihr Lachen und ihr weinen, als ihr ungeborenes Baby in meinen Armen starb.
Es gibt unendlich viel was ich vergessen muss.

Ich habe noch Zeit, noch ein paar Jahre, bis nichts mehr von ihr da ist, von ihr nicht und von ihm nicht. Ich habe noch Zeit alles zu vergessen.

Vergessen 
Es sind die Erinnerungen die wir uns holen, immer wieder und wieder, die uns das Leid präsent machen. Sind die Erinnerungen weg, ist auch unser Leid verschwunden.
Es sind die Erinnerungen die Trauer tragen, schwarz und sumpfig, die uns einhüllen wie Spinnweben, uns die Sicht in die Gegenwart versperren.
Es sind die Erinnerungen die uns das atmen erschweren.  

Die Erinnerungen an Eltern die nie Eltern waren, an Verbrechen und Kriege, an Schmerz und Vergeltung, einstürzende Türme und hasserfüllte Visagen, an Inseln die unter gingen und Menschen die vergiftet wurden, an Tot und Mord und Grauen, an Rinnsale voller Blut und Eiter und Kot.
Die Erinnerungen an süsses und saures, an Traditionen und Rituale, an alte Fotos und neue Gemälde. Brennende Gebäude und sinkende Schiffe.
Wir Menschen wollen alles Dokumentieren und Aufbewahren, wir wollen Sammeln und Archivieren. 
Es sind die Erinnerungen die uns nicht erwachsen werden lassen, weil wir immer noch das Kind suchen, das wir nie waren.
Es sind die vielen vielen Erinnerungen an Zeiten die wir in uns tragen und wir erklären es immer und immer wieder so, als sei es notwendig, weil sie uns zu dem machen was wir sind.
Dabei wären wir auch die die wir sind, hätten wir diese Erinnerungen nicht.  
Kein Mensch muss dauernd daran erinnert werden, an den Verlust und die Angst, an das Verbrechen an ganzen Völkergruppen, an die Hautfarbe die falsch ist, oder die Sexualität, die Politik, die Lüge, das falsche Datum, das falsche Zeugnis, das falsche Geständnis.
Kein Mensch braucht Gedenktafel oder Orden, oder irgendwelche Einträge in irgendwelchen Notizblöcken. Wenn wir endlich anfangen würden zu vergessen, würden wir alle heilen können.

Neuanfangen. Neu Erfahren. Neu fühlen, neu berühren. Neu aufbauen und neue Bilder malen um sie neu zu zerstören.
Es sind die Erinnerungen die festhalten und knebeln, kratzen, und krallen, ketten und kleben.
Ich muss vergessen!!!
Ich werde vergessen.

Als mir klar wurde das es immer und immer nur die Erinnerung ist, die Leid mit sich bringt, immer nur das was vergangen war, wurde mir auch klar, das ich nicht viel brauche um all das Gehen zu lassen. Nur eine Entscheidung, mehr nicht.

ICH WERDE VERGESSEN.

Es ist immer noch ein merkwürdiges Gefühl, dass die Monster meiner Vergangenheit alle tot sind.
Es ist gut.
Ich bin die Monster meiner Vergangenheit endlich los.

 

Donnerstag, 25. Mai 2017

Erkenntnis 6 - Ein gutes Jahr nach meinem Erwachen



Es ist jetzt ein Jahr und sieben Monate her, eine kurze oder lange Zeit, wenn man Zeit als Linear betrachtet.

Als ich mich entschied wieder im ICH zu wandeln mit eben allem was dazu gehört, entschied ich mich auch zu vielen anderen Dingen, z.B. nicht mehr so im Tierschutz zu arbeiten wie davor, mich wieder politisch zu engagieren, wieder wütend zu sein, zu genießen, zu trauern, schmerz zu haben, zu streiten, zu diskutieren usw.
Also wieder voll und ganz ein Mensch unter Menschen zu sein.
Hin und wieder tauche ich ab, aus der Illusion heraus. Ich erlebe wieder alles in Gleichmut, in einem Zustand des Verstehens und Wissens. Des in sich ruhens, im Allsein mit allem.

Dieses Auf und Ab Tauchen:

Es ist nicht so das ich JETZT nicht erfahre, was ich vorher erfahren habe. Das Erwachen ist Teil meines Bewusstseins, aber ich bin weit davon entfernt gänzlich einzutauchen in diese Leerheit, die ich damals empfunden habe.
Ich bin vielmehr völlig davon überzeugt, dass es so etwas wie ein Dauerzustand von Erwachen nicht gibt. Es ist ein ewiges Neueinpendeln zwischen schmutziger Wäsche, zwischen aufs Klo gehen, Erkenntnisse des ICH - Seins, des Hierseins, mit Erkenntnissen des Nicht Ichs. Wenn ich abtauche in das NICHT Ich - die Jo ist Willenlos, weil kein Wille da ist, dann erlebe ich um mich herum ein einziges SEIN. Dann kann meine Tochter brüllen, die Waschmaschine den Geist aufgeben, meine Frau sich über eine Rechnung ärgern, mein Kater eine Maus fangen. Die ganze Welt kann sich selbst gerne haben, oder eben auch nicht. Es ist wie es ist.

Dieses Gefühl der Gelassenheit, des Gleichmuts ist ein ruhiges Gefühl, ein Gefühl der unendlichen Ruhe inmitten eines Orkans.
Alles was ist, was passiert darf auch sein. Weil alles seine Berechtigung, seinen Sinn in der Sinnlosigkeit hat.
Alle Gegensätze liegen nebeneinander, aufeinander, verbinden sich, lösen sich wieder. Alles ist in Bewegung, es gibt keinen Stillstand, aber es gibt auch keine Zeit, keine Notwendigkeit, kein Anders sein, oder Aussergewöhnlich sein.
Im ICH-Losen Zustand ist all das mit sich selbst verbunden. Und Jo ist Teil davon, oder alles ist Teil von Jo.

Ich glaube nicht daran, dass es dauerhaft für uns Menschen möglich ist Erwacht zu sein.

Oder anders, für uns "normale" Menschen. Menschen mit Familie und Beruf und Hobbys und Religionen und und und... Menschen die nicht wie ein Yogi 24 Stunden in einer Position hocken, ohne zu Essen, oder aufs Klo zu gehen. Menschen die sich nicht gänzlich zurück gezogen haben, in ein isoliertes Leben, einer einsamen Insel, mitten im Nirgendwo ohne Kontakt zu anderen Menschen.
Ich las mal vor einigen Jahren von einem Yogi der sich angeblich 70 Jahre von Licht ernährt hat, es stellte sich dann später heraus, dass das nicht der Wahrheit entsprach.
Wir kennen alle solche Geschichten von Erwachten:


Eckhart Tolle
Mooji
Byron Katie
Meister Eckhart
Mutter Meera (kennt ihr ja schon aus meinem Blog)
Jesus
Buddha
Meister Raphael
usw.

Das interessante an all diesen Geschichten, sie erwachten nicht einfach nur und sprachen dann nicht darüber, oder zogen sich gänzlich von allem MENSCHSEIN zurück. Alle waren und sind mitteilsam. Die einen schreiben darüber, die anderen machen Seminare, einige verschwanden kurzzeitig von der Bildfläche wie Meister Raphael ein Deutscher, der dann irgendwann die Nase voll hatte von Seminaren und sich nach Norditalien absetzte.

Sie alle haben eines gemein:
Sie haben sich aufgeregt, sie mussten sich mitteilen. Sie mussten hinausposaunen, dass sie erwacht sind, mussten mit anderen arbeiten, damit auch sie erwachen, haben Seminare abgehalten, mussten sich zeigen, haben Geld für ihre Arbeit erwartet oder verlangt. Sie konnten sich immer noch ärgern, sind ihren Hobbys nachgegangen, haben Fleisch gegessen oder Alkohol getrunken. Usw. Jesus hat genauso mit seinen Jüngern an einer Tafel gesessen, wie Buddha mit seinen Mönchen.
Jeder von ihnen war davon überzeugt anderen Helfen zu müssen, die Gründe sind unbedeutend.
Dieses Müssen und Wollen - das ist Bedeutsam.
Dieses sich zeigen wollen, was da passiert ist - das ist Bedeutsam.
Sich über andere aufregen oder negative wie positive Gefühle zu haben - das ist Bedeutsam.

Es ist Bedeutsam, das jeder von ihnen Erwartungen hatte, an seine Anhänger, Seminatteilnehmer, Partner oder wie auch immer. Ich kenne "Erwachte" die mir mitteilten, dass sie nichts umsonst tun und dann eine horrende Summe für Seminare erwarteten. Oder ein Buch veröffentlichten, in öffentlichen Fernsehsendungen auftraten usw.

In dem Moment wenn all diese Bedeutsamen Punkte zusammen treffen, ist das ICH wieder voll aktiv.
Das ICH Will gesehen werden, akzeptiert werden, geliebt werden, beschützt werden, anerkannt werden.
Und wenn es das nicht wird, fühlt es Leid.

Während ich erwachte, war in mir alles Gelassen. Ich war in einem Gleichmütigen Zustand. Ich fühlte eine noch nie bis dahin gefühlte Ruhe. Ich hatte nicht das Bedürfnis irgendetwas zu tun, vielmehr konnte ich alles lassen.
Alles stehen lassen, jede Meinung, jeder Gedanke, jede Empfindung, jede Tat.

Ich fühlte mich weder an etwas oder jemanden angehaftet noch involviert. In mir war Liebe, aber die war nicht auf einzelne Personen bezogen, sondern auf alles um mich herum.
Dieses Eins-Sein, hatte mit dem Begriff: Eins nichts zu tun. Es war vielmehr eine Fülle in der ich als Teilchen mitschwam, oder eine Fülle in der alle Teilchen in mir schwamen.

Ich kann es nicht besser erklären.
Auf jeden Fall hatte ich kein Interesse mich anderen mitzuteilen, aber ich hatte Interesse das festzuhalten, was in mir passierte. Unwichtig ob die Nachwelt es las. Ich kann das aus heutigen Gesichtspunkten nicht so genau einordnen, ich dachte nicht darüber nach warum ich etwas tue, ich tat nichts wirklich, es war nichts da was ich hätte tun können und doch schrieb ich.
Denn eine andere Form von Mitteilen hatte ich nicht.

Wenn ich heute so zurück blicke, war es ein sehr einseitiger Zustand der nichts mit einem "Gemeinsamen" Erleben zu tun hatte. Ich war vielmehr von anderen Entfernt, durch ihre Wahrnehmung. Für mich war das anders, aber aus heutiger Sicht, ist das nur ein weiterer Kritik Punkt, denn ich verursachte dadurch unbewusst Leid.
Indem andere Menschen sich nicht mehr mit mir verbinden konnten.

Wenn man glaubt, das ein Erwachter Zustand auch anderen etwas bringt, dann täuscht man sich. In erster Linie ist das Eintauchen in die Illusionslose Realität ein Ding das man nur selbst erfährt und sonst niemand.
Es ist für die Aussenwelt mehr Ego zu sehen als davor, denn man kann nicht mehr an Dingen festhalten, an die andere festhalten, man kann sich nicht mehr miteinander ärgern, oder lachen, oder Unsinn machen. Man hat keinerlei Bedürfnis mehr, Teil einer Unsinnmachenenden Gemeinschaft zu sein. Man kann sich nicht darüber ärgern, dass die Telefonrechnung zu hoch ausgefallen ist, oder darüber das die Katze mal wieder in die Ecke gepinkelt hat. Weil das Dinge sind die bereits passiert sind, nichts was passiert ist erregt die Aufmerksamkeit, weil diese Dinge nicht zu ändern sind. Alles was passiert ist, ist bereits vorbei. Es existiert nicht mehr.
Und ab da wird das Erwachen zum Problem - wenn auch nicht für einen selbst, so doch für die Menschen die einen lieben.

Als ich begriffen habe, das mein "Zustand" ein Leidthema meiner Familie wird, wurde mir auch bewusst, das es nur zwei Möglichkeiten gibt, entweder ich verlasse meine Familie und gehe ins Kloster, oder ich aktiviere mein ICH und zwar bewusst.
Die Illusion ist mir somit bewusst.

Und somit ist es mir auch möglich immer mal wieder auf und abzutauchen.
Manchmal mach ich mir ein Spiel daraus, ich sag mir: "Ok ICH ich hab keinen Bock mehr, verschwinde mal eine Weile"
Ich muss mich etwas konzentrieren, um zu fühlen, dass da nichts mehr ist was ich fühlen könnte. Keine Bedeutsamkeit eines getrennten ICHs. Kein MEIN und MIR und DEIN.

Aber wenn ich wieder in den Zustand bin, ist auch alles wieder Gleichmütig. Ich gebe zu, ich hatte in dem einem Jahr und den sieben Monaten nicht oft das Bedürfnis mein ICH wieder los zu werden.
Das Ich, die Anhaftung, die Schmerzen, das Leid all das ist gut. Ich empfinde es als Möglichkeit fühlbar für andere zu sein. Ich bin nicht anders, ich bin nicht besonders, ich bin nicht mehr oder weniger. ICH bin einfach nur. Und nur im ICH Zustand, können andere mich Gleichwertig wahrnehmen. Im ICH losen Zustand wanderte ich vom Gleichwertigen Menschen zu einem Höherentwickelten Wesen, zu dem meine Frau und Tochter aufblickte.
Auf dieser Leiter konnte ich mehr Leid verursachen als zwischen oder unter ihnen.

Ich kann es nur so ausdrücken. Ich glaube dadurch das ich die Realität, die ICH-Losigkeit gesehen habe, habe ich auch die postitiven Seiten der Illusion eines ICHs erkannt.

Und auch verstanden, dass ein ICH notwendig ist, wenn man wirklich Leid verhindern will.
Denn nur dann ist der Wille da, nur dann kann man sich unter Menschen so bewegen, dass sie sich nicht Minderwertig vorkommen, oder als kleiner, unbedeutender als man selbst.

Als meine Frau mir damals sagte, dass ich nicht erreichbar bin, nicht mehr greifbar, als sie anfing meine Liebe zu ihr anzuzweifeln, fühlte ich ihre Sorge - ohne das ich etwas hätte tun können oder wollen. Es war wie es war.

Und genau das passiert mir nun nicht mehr. In der Illusion kann man Berge versetzen, man kann bestehende Situationen verändern, indem man den Menschen sagt: "Du schaffst das, es ist nicht schlimm. Keine Sorge!"

Im ICH-Losen Zustand ist etwas das passiert ist, passiert. Es würde also überhaupt nichts bringen, zu sagen: es ist nicht schlimm, wenn man sieht das etwas als Schlimm empfunden wird.
Sobald jemand es als Schlimm empfindet, ist es das auch für den Jenigen.
Sobald sich jemand sorgt: Ist das Gefühl der Sorge da, zu sagen: "Keine Sorge" ergebe keinen Sinn.

Ich sagte statt dessen: "Kannst du es ändern?"
Das NEIN meiner Frau war fast immer in Begleitung mit ABER. Und ich sagte: "Nicht aber, nein bedeutet das du es nicht ändern kannst. Also hat es keinen Sinn sich darüber aufzuregen"

Und damit war das Thema für mich beendet. Für meine Frau nicht. Sie lag Nächtelang wach und zerbrach sich den Kopf und fühlte sich so allein wie noch nie während unserer Beziehung.

In einer ähnlichen Situation kann ich heute sagen: "Sorg dich nicht Liebling, ich bin bei dir!" oder auch: "Komm lass uns gucken wie wir das ändern können!" Und auch wenn ich weiß, das wir es nicht ändern können, ist allein die Tatsache das ich mit ihr fühle, mich auf sie einlasse, dass sie sich anlehnen kann, das wir wieder eine Symbiose haben, nur wir zwei, ausreichend.

Mir wurde bewusst, das ich nur dann da sein kann, helfen kann, wenn ich ICH bin.

Dieses ICH ist anders als das ICH vor meiner Ich-Losigkeit, es ist bewusster und klarer.

In diesem Sinne

Wenn du selbst diese Erfahrung machen möchtest dann stell dir die Fragen:

Warum genau willst du Erwachen?
Was denkst du was durch dein Erwachen besser, schöner, befriedigender, wäre?
Meinst du es verändert sich was an der schmutzigen Wäsche, am Büroalltag, das Mittagessen in der Kantine, deinem Partner, deiner beste Freundin, des Restaurantbesuchs, das Sportstudios?
Meinst du, du wirst die gleichen Interessen haben wie vorher, die gleichen Gespräche, das Mitfiebern während der Sportschau, das Lachen wenn deine Tochter sich einen Schnurrbad mit deinem Rasierschaum ins Gesicht malt?

Wirst du die gleichen Gefühle haben wie vorher?
Wirst du dich noch ärgern können, Diskutieren können?
Wirst du den Roman weiter lesen können, der dich gerade fesselt, oder den Spielfilm sehen der Samstag Nachmittag kommt?


Denk drüber nach...


Namasté eure Andarnil


Sonntag, 21. Mai 2017

Gegendarstellung Traditionen



Nun folgt eine Gegendarstellung meiner Freundin Natalie zum Thema Traditionen:


"Eine philosophische Stunde...


Feste - Bräuche - Traditionen

Ich liebe sie und sie sind Teil meines Lebens, meines Jahresverlaufes, wenn man es so sagen kann.


Ich feier Geburtstage sehr gerne. Ich freue mich dass es die Menschen in meinem Leben gibt und möchte dies auch an einem Ehrentag mit ihnen feiern.

Ihnen etwas Gutes tun, Ihnen zeigen dass sie mir wichtig sind und sie, nur diese 1 Person an diesem Tag, im Mittelpunkt steht und gefeiert wird.

Der Beginn eines neuen Lebensjahres und zugleich die Erinnerung daran dass diese Person vor ... Jahren geboren wurde und irgendwann Teil meines Lebens wurde.

Wir feiern Geburtstage selten leise und nur für uns. Da wir gerne mit Freunden zusammen sind und feiern lieben, ist es oft recht voll bei uns und ich finde es schön...

Unser Haus, unser Garten ist dann noch lebendiger. Es versammeln sich Menschen die gutes im Sinn haben und die Zeit gemeinsam verbringen möchten. Gut gelaunt sind, lachen, erzählen, ...

Es ist immer ein riesiger Aufwand, viel Arbeit, aber am Ende zeigt sich dass sich der Aufwand gelohnt hat und ich denke noch lange an diese schönen Höhepunkte im Jahr.


Christliche Feiern und Traditionen

Auch diese, zumindest die für mich wichtigsten feier ich mit meiner Familie. Vorallem Ostern und Weihnachten. Himmelfahrt ist für mich ein freies Wochenende, das mir und meiner Familie geschenkt wird. Ich denke zwar an die ursprüngliche Bedeutung, doch feier ich Himmelfahrt nicht. So geht es mir auch mit Pfingsten. Ich weiß um die Bedeutung, die Geschichte die dahinter steckt, jedoch gehe ich nicht unbedingt traditionell in die Kirche.

Eine Zeit lang nutzen wir diese Tage um uns mit Freunden zu treffen. Diese Tradition fand ich sehr schön. Dies ging dann leider irgendwann nicht mehr, da unsere Freundin nun regelmäßig zu Pfingsten arbeiten muss.

Wir wechselten dann auf die Himmelfahrtstage, was ich auch sehr schön fand, da es passte.

Und als dies dann auch geändert wurde, weil unsere Freunde andere Pläne hatten, merkte ich, wie schade es ist. Denn dies war für mich eine schöne Tradition geworden.

Tja, so können sich Traditionen ändern ohne das man es möchte.


Ich bin Christ und stehe dazu. Obwohl die, zumindest katholische Kirche, meine Lebensform leider nicht unterstützt und sogar schlecht macht, bin ich bewusst "bei dem Verein" geblieben und wir haben auch unsere Tochter katholisch taufen lassen.

Am liebsten hätte ich sie einfach als Christ taufen lassen. Ohne katholisch oder evangelisch als Beisatz.

Ich verstehe mich als Christ und fühle mich in beiden Formen zu Hause.

Als ich in den Norden zog und in der Kita anfing, wurde ich, ganz ehrlich, das 1.Mal intensiv mit "evangelischen Gedanken" meiner Mitmenschen konfrontiert.

Es hieß immer "Die Katholen", mit einem faden Beigeschmack im Ton. Das regte mich oft auf. "Die Katholen"!

Als ich mich nach der Vertretungszeit für eine Festanstellung bewarb, fragte man sich schon im Trägerkreis ob es keine evangelischen Mitbewerber gab. Und als ich dann auch noch stellvertretende Leitung wurde, wurde dies auch tatsächlich infrage gestellt. Doch kommt es nicht unbedingt nur auf die Richtung evangelisch oder katholisch an.

Das war 1997. Lange ist's schon her!

Als ich die religionspädagogische Langzeitfortbildung machte, erkannte ich, dass uns nicht wirklich so viel voneinander trennt.

Und ganz ehrlich, ich glaube, wenn ich so einigen Christen zuhöre, bin ich wohl doch eher evangelisch als katholisch (?) ...oder eben doch Christ!

Ich nehme am Abendmahl im Gedenken an Jesus Abendmahl, welches er mit seinen Freunden damals in Jerusalem zum Pessahfest feierte, teil und glaube nicht, dass es sein Leib und Blut ist welches ich zu mir nehme.

So, wie ich es für mich verstehe, hatte ich es damals in meiner Heimatgemeinde gelernt und verinnerlicht. Ich war entsetzt als ich eines Tages, da war ich auch schon Mitte 20, von Kanibalismus der Katholiken hörte!


Ich bin dafür nicht einfach etwas fallen zu lassen oder schwierigem aus dem Weg zu gehen, sondern versuche lieber von innen her etwas positiv in Bewegung zu setzen. Daher bin ich weiterhin katholisch.

Und sollte es eines Tages soweit sein dass die Kirchen sich zusammen tun und wir wirklich von Christ-sein sprechen, freue ich mich einfach nur Christ sein zu können.


Und es macht mich traurig immer wieder von anderen zu lesen wie eingeschränkt ihre Sichtweise bezüglich unseres christlichen Glaubens und unserer Lebensweise sind. "Christen müssen" "Christen haben zu tun" "Christen sind nicht frei" "Ich will mich nicht diesen Zwängen unterordnen."

Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter! Wie kommt diese veraltete und so negative Sichtweise nur? Nicht hier, in diesem Teil der Welt, in dieser Zeit!

Mitunter habe ich den Eindruck dass Kirche, Christen schon in die gleiche Schublade Hitler/Nazis gesteckt werden.


Ich mag auch Feste und Bräuche die nicht christlichen Ursprungs sind.

Ich feiere mit meiner Familie und Freunden Silvester. Ich denke an den letzten Tagen eines Jahres oft über das Vergangene nach und begrüße voll Freude das Neue.

Ich mag Silvesterböller nicht. Das finde ich überflüssig. Vorallem dieser heftige Konsum der zu Silvester betrieben wird.

Und dennoch mag ich Feuerwerke sehen.

So z.B. meiner Heimat. Dort feier ich am liebsten diesen Gedenktag. Hier im Norden ist er weniger bedeutend. In unseren christlichen Einrichtungen schon. Doch sonst merkt man davon nix. Aber ganz ehrlich, ich denke so wie in Kempen wird es nirgends gefeiert.

Wie glücklich und auch stolz war ich, als meine Tochter das 1.Mal an meiner Seite ins Kempener Rathaus einzog und ihre Laterne trug. Als sie ihre Tüte bekam und ich in die Zeit zurück versetzt wurde als ich selber noch Kind war und durch die Straßen mit Ziel "Rathaus" marschierte.

Und dann ging es noch durch die Nachbarschaft. Es wurde gesungen, stolz die Laterne gezeigt und wir freuten uns wie kleine Könige über die Beutel voller Süß. An den Tagen hatten wir so viel Süß. Viel mehr als an allen anderen im Jahr.


Tradition... Dies ist eine schöne Tradition noch aus meiner Kindheit, aus der unserer Eltern noch und ich hoffe, sie wird viele weitere Generationen noch weiter gefeiert.


Es gibt Feste die ich überhaupt nicht mag. Schützenfest z.B. ich sehe da keinen Sinn drin, kann die Freude derer am schießen und saufen nicht teilen.

Jahrmärkte... ich gehe da sehr selten hin, weil es für mich zu kostspielig ist. Es tut mir schon leid um die Tradition des Schaustellerstandes, als Kind hab ich es auch geliebt, doch als Erwachsene mag ich es nicht mehr.

In meiner Heimat heißt es übrigens "Kirmes" und in Cuxhaven "Fleckenmarkt".


Und ich denke, so ist es bei vielen in unserem Leben. Manches bleibt und ist bedeutend, anderes ändert sich, da wir uns auch ständig in einem Wandel des Lebens und der Zeit befinden.


Maibaumaufstellen.... in meiner Heimat wurde es zumindest früher "liebevoller" umgesetzt. Ich gebe zu, ich hatte leider nie einen. Aber das ist ja auch klar, warum nicht.


Muttertag

Gestern war Muttertag. Meine Kinder haben etwas für uns gemacht und ich hatte mich sehr darüber gefreut. Und sie waren stolz dass sie etwas für uns, Mama und Mami, gemacht hatten.

Und, ich gebe es ganz frei zu, ich freue mich dass es wenigstens diesen Tag gibt an dem die Kinder mal ihre Dankbarkeit uns gegenüber kundtun und ich mich besonders fühlen darf. Und eines Tages werden sie es hoffentlich verinnerlichen und es auch an anderen Tagen zeigen, nicht nur an diesem vorgegebenen Tag.

Und, meine Güte, wenn ihn jemand nicht feiern möchte, braucht er / sie es doch nicht!

Es ist doch nicht vorgeschrieben.

Und ja, ich weiß um viele Aber, dennoch bleibt dieser Tag in meinen traditionellen Brauchtümern.

Genauso, wie es einen Kindertag gibt.


Vatertag wurde in unserer Familie nicht wirklich gelebt. In Kiga und Schule spielte dies keine Rolle. An den Muttertag wurde gedacht und mit uns Kindern etwas gebastelt oder Gedichte geschrieben, ein Vatertag war mir sehr lange unbekannt.

Unsere Mutter hatte mir mal, als ich sie dann irgendwann, bereits zur Realschulzeit fragte, gesagt dass die Männer sich diesen Tag "Christi Himmelfahrt " dafür genommen hätten. Er sei nicht so festgelegt wie der Muttertag.

Und wenn ich nachlese, finde ich dazu auch keine präzise Angabe. Lediglich, dass Männer früher schon Herrentage hielten.

Es war wohl "praktisch" Himmelfahrt dafür zu nehmen, da dieser Tag ja als kirchlicher Feiertag frei ist. Dann nimmt man noch den Brückentag dazu, gefolgt vom Wochenende und kann sich vom Suff ausschlafen.😉


Märkte / Volksfeste

Ich bummel gerne über Märkte. Bauernmärkte, in Kempen gibt's u.a. den Halbfastenmarkt, in Uerdingen den Flachsmarkt, in Bremerhaven die Sail, ...

Künstlerische, handwerkliche Stände anschauen, ihnen bei ihrer traditionellen Handwerkskunst zusehen,... bummeln, schauen und staunen. Schnuppern und schmecken. Mit allen Sinnen eintauchen.


Dieses Jahr feiert unsere hiesige Freiwillige Feuerwehr ihr 125 jähriges. Derzeit verändert sich das dörfliche "Ansehen". Es wird festlich geschmückt, fleißig vorbereitet.

Da wir über Himmelfahrt verreisen, werde ich es nicht mit erleben. Schade.

Ich wär gerne mal hin, das bunte und rege Treiben miterleben...etwas zumindest.

Es wird erzählt, gespielt, getanzt, getrunken, gelacht, ....

Ich finde es schade dass Menschen die Wirkung des Alkohols benötigen um sich geselliger und lockerer zu empfinden und dann erst richtig Spaß haben können.

Aber ich kann es so stehen lassen.

Solange es nicht Überhand nimmt und es nett und gesellig bleibt, ist es für mich in Ordnung. Und wenn jemand gerne Bier oder Wein anstatt Cola o.a. trinkt, warum nicht? Es heißt ja nicht dass es von allen so verlangt wird!


Und das ist es, was ich mir oft denke:

Wir können gut zusammen leben und unsere verschiedenen Vorlieben, Bräuche und Lebenseinstellungen NEBENEINANDER stehen lassen. Ohne das andere schlechter zu machen. Ohne mit dem imaginären Zeigefinger mahnend anzuzeigen was falsch daran ist und warum das andere besser sein soll.

Leben und leben lassen.

Lieben, annehmen oder zumindest akzeptieren. Das Anderssein akzeptieren.


Wir sind eine vielfältige Gesellschaft. So viele individuelle Menschen leben nahe beieinander. Z.T. brauchen wir uns auch gegenseitig. Sind so unterschiedlich und doch so ähnlich. Im Wesentlichen ähneln wir uns sehr. Die meisten zumindest, wenn man sich ihre Weltanschauung anhört.


Religionen

Es gibt verschiedene Religionen. Ich glaube fest daran dass sie einem Ursprung entspringen und wir Menschen diese Vorstellungen des religiösen Daseins, des Glaubens, individualisiert haben.

Wie ein Weg von dem sich immer und immer wieder neue Wege abzweigen.


Wir entspringen demselben Ursprung. Wir alle. Und unsere Weltanschauung, unser Glaube, auch.

Und ich meine, es gibt keinen Menschen der ungläubig ist. Jeder hat auf seine eigene Weise eine gewisse Vorstellung/ Idee von dem, an was er glaubt, was ihm wichtig ist, in sich. Und damit meine ich nicht Gott!"



Danke Natalie für deine Persönliche und Offene Gegendarstellung. Und danke dass ich sie veröffentlichen durfte.


Herzlichst deine Jo