Mantra Musik

Donnerstag, 24. August 2017

Tagebuch - Zwischen Schatten und Licht


Es ist komisch, solange die Augen ihre Arbeit tun, geben wir ihnen höchstens die Aufmerksamkeiten um sie frischer aussehen zu lassen, beim Jährlichen Brillen Check, und um jemanden mit diesen berühmten tiefen Blick zu betrachten, der nur eines andeuten will: "Komm ins Bett".

Ich habe schon als Kind befürchtet irgendwann Blind zu werden, dass diese Befürchtung nun vielleicht eintrifft, damit habe ich mich nie so intensiv beschäftigt, um z.B. die Brailleschrift zu lernen oder mich mit anderen Sehhilfen auseinander zu setzen. Etwas zu wissen, heißt nicht unbedingt sich damit zu beschäftigen, in meinem Fall habe ich es ganz weit von mir geschoben.

Vor einer Woche hat sich dann alles verändert. Seit dem sehe ich Blitze am linken Augenrand und vor meiner Linse läuft ein schwarzer Balken mal hoch, mal runter.

Für mich hat Sehen eine große Bedeutung, das Spiel mit der Wahrnehmung, zwischen den Welten, zwischen Schatten und Licht.
Die Kleinen Dinge die Menschen gerne übersehen, haben mein Interesse oft geweckt. Glasscherben wenn Sonnenstrahlen darauf fallen, trockener Sand der im Tageslicht unscheinbar aussieht, aber wenn ein sehr heller Lichtstrahl darauf fällt, fängt er an wie Millionen kleiner Edelsteine zu glitzern. Blätter die im Herbst die Farbe wechseln. Ich liebe Spinnennetze im Tau oder nach einem sanften Regen (auch wenn ich keine Spinnen mag).

Es gibt so vieles was ich liebe und was ich als natürlich empfunden habe, all das sehe ich mit beiden Augen und die Vorstellung, dass ich es vielleicht irgendwann nur noch mit einem Auge sehen kann, ist irrational. Und doch könnte diese Vorstellung wahr werden.

Mein linkes Auge gibt den Geist auf, oder anders mein Glaskörper fließt davon und nimmt die Netzhaut mit.

Ich weiß nicht wie die Geschichte meines linken Auge endet, ich erfahre mehr am Dienstag, wenn ich in der Augenklinik in Bremen bin, sie hat einen guten Ruf und ich bin froh wenn dieses Kapitel gut ausgeht.

Drückt mir bitte die Daumen... das soll ja angeblich Glück bringen. Mein Auge kann es gebrauchen.


Euch alles Liebe von eurer Andarnil

Montag, 7. August 2017

Mein geliebter Tierhof Amoa



Dies ist ein Abschied für immer - vom Tierschutz.
Es gibt so vieles was ich noch sagen wollte, was aber irgendwie keinen Sinn mehr gibt.

Doch einiges muss ich noch los werden bevor sich unsere Tierhof Türen schließen.


Wenn ich manche Gedanken lese, zum Thema Tierschutz, dann muss ich leise lächeln, dieses Lächeln ist Traurig, denn die wenigsten Menschen wissen wirklich was Tierschutz bedeutet.

Man sieht nur mit den Augen, das wesentliche ist unsichtbar.

Wir versuchen so gut wie möglich ein Bild zu zeigen, von der guten Welt die wir ermöglichen. Die schlimme Dinge die dazu beitrugen das die Tiere zu uns kamen, die will niemand wissen.
Die Leute wollen nur hören, sie sind in Sicherheit.
Man will auch nicht wissen, welche Probleme wir haben, um die Tiere zu ernähren, um ihnen ein gutes Zuhause zu bieten. Die wenigsten Gnadenhöfe achten auf artgerechte Unterbringung, wie soll das gehen, wenn man nur einen begrenzten Platz zur Verfügung hat, aber dafür Tiere in die Hand gedrückt bekommt, die keine Chance hätten auf ein Zuhause außerhalb unserer Höfe.

Ich habe schon oft Besuch gehabt, der die Nase gerümpft hat, weil es mal wieder nach Katzenpisse roch.
Auch das will niemand wissen, man will nicht wissen wieviel Arbeit in einem Gnadenhof steckt, man will nicht wissen, wie hoch die Scheiße ist, in die wir manchmal treten. Auch die Unfälle will man nicht wissen. Unfälle die passieren, wenn uns gesagt wird, das ein Tier kastriert ist, das aber in Wahrheit trächtig ist. Ich wurde beschimpft als wir eine Katze aufnahmen und ein paar Wochen später kleine Welpen hatten. Ich wurde beschimpft weil man mir vorwarf, ich hätte das Tier raus gelassen. In Wahrheit kam es bereits Trächtig zu uns.

Man läuft immer Gefahr das plötzlich gute Spender abspringen, weil man irgendwas sagt oder tut was nicht in ihr Weltbild passt. Ich bin in den 6 Jahren seit offiziellen Bestehen unseres Tierhofes so oft schon beleidigt, angebrüllt, beschimpft und verleumdet worden. Man hat versucht unseren Ruf zu ruinieren, weil eine andere Tierschützerin unter einem falschen Namen angab sie hätte uns Spenden geschickt die wir veruntreut hätten. Nur war die Dame nicht schlau genug und hat ihre EMail nicht geändert und so konnte ich herausfinden, das sie eine Tierschützerin war die mir schaden wollte.

Immer wieder habe ich es erlebt, das man Ansprüche und Erwartungen an mich stellte. Ich war nicht immer erreichbar, ich machte zu wenig Fotos unserer Tiere, ich schrieb zu wenig Erfahrungsberichte, ich wäre zu distanziert - ja das stimmte auch.
Manche Tiere mögen es gar nicht fotografiert zu werden. Manchmal war ich zu müde um noch Berichte zu schreiben, manchmal gab es einfach nichts schönes zu berichten. Manchmal wollte ich einfach keine Freundschaft mit einer Spenderin führen, sondern einfach nur ihre Spende für unsere Tiere.

Das bisschen Privatleben gehörte meiner Familie und meinen Tieren, manchmal blieb einfach keine Zeit um engere Kontakte zu pflegen.

Manche Menschen erwarten, dass wir Tierschützer Rund um die Uhr arbeiten, das wir immer Gesund sind, immer fit, immer lächelnd während wir die Scheiße unserer Liebsten wegwischen.

Mir wurde gesagt, ich sei zu emotional und ich sollte mir ein dickeres Fell aneignen.
Ich habe das dickste Fell das es gibt, denn ich hab mir noch nicht das Leben genommen, trotz dieser Scheiße die ich in meinem Leben erlebt habe und dieser Scheiße die ich im Leben der Tiere erlebt habe.
Ich bin wie ein Stehaufmännchen und kann auch dann noch gerade gehen, wenn ich erlebe, wie einem Reh vor meinen Augen die Kehle durchschnitten wird, um es von seinen Leiden zu erlösen, oder wie einem Huhn der Kopf abgehackt wird, weil es so unendliche Schmerzen hat und kein Tierarzt an einem Feiertag zu erreichen ist.

Es hat mich nicht umgebracht.
Ich behalte die Nerven, obwohl unsere Kaninschen auf dem Dächern herumsprangen, weil sie ein Loch in ihrer Voliere gefunden haben.

So was erzählt man nicht, man lächelt und zeigt schöne Bilder, damit die Leute sehen, dass es unseren Tieren gut geht.
Wir sind die letzte Bastion bevor sie sterben, manchmal sind es nur wenige Tage, Wochen, Monate. Manchmal auch nur wenige Stunden, die wir bei ihnen sitzen und leise mit ihnen reden bevor sie für immer ihre Augen schließen. Wir beerdigen sie mit unseren Tränen und graben Löcher mit unseren Händen.

Das Blut will man nicht sehen.
Man will auch kein Video mit einem vor Schmerzen schreienden Hund, Katze, Hase, Huhn.
Man will auch keine dreckige Wohnung oder nach pisse riechenden Flur. Alles muss irgendwie makellos sein. Natchi ist eine Katze die genau in dieses Bild passt, ihre Augenhöhlen sind zugenäht, Bebbels und Fee - mir sagten schon Leute, diese Augen sind furchtbar. Bebbles hat blinde Augen, man sieht das weiße und Fee hat gar keine Augen mehr, nur Augenhöhlen.
Ich fotografiere alle meine Tiere gerne, unabhängig ob sie den Leuten gefallen oder nicht. Ich finde sie alle wunderschön. Aber ich fotografiere nicht oft.

Ja wir sind nicht makellos, wir sind chaoten. Man wird uns nicht in Designer Klamotten sehen, unsere Klamotten sind immer die gleichen, weil uns einfach das Geld fehlt, um uns neu anzukleiden.
Ich habe Pulis und Shirts im Schrank die 20 Jahre alt sind - für mich sind sie wie neu.


Heute bekam ich gesagt: Das man doch vorher überlegen soll, wenn man den Tiere nicht gerecht wird.
Natürlich erwarten die Leute auch, das wir alle Hellseher sind. Das wir im Vorfeld, bevor wir überhaupt einen Tierhof gründen, bereits wissen, das er auch dann noch Perfekt ist, wenn wir bereits unter der Erde liegen.

Liebe Leute wir sind keine Hellseher, wir wissen nur das wir JETZT in der Lage sind zu helfen und das tun wir das, wenn wir wüssten, dass wir eines Tages behindert sein werden und im Rollstuhl landen, würden wir erst gar nicht anfangen zu helfen.
Dann würden wir den Rest unseres validen Daseins Party machen.

Die Erwartungen sind enorm groß, aber ich bin nicht hier um die Erwartungen der Menschen zu erfüllen.
Ich bin hier weil es um die Tiere geht. Solange ich kann, werde ich unsere Tiere weiterhin schützen und pflegen.
Denn das ist alles was ich tue. Mehr hab ich nie getan...

Tierschützer sind auch nur Menschen, wir sind weder Maschinen noch haben wir einen Körper und ein Herz aus Stahl. Tierschutz macht psychisch und physisch kaput. Am Ende sind wir nicht anders als die Tiere die zu uns kommen - doch sie hatten uns. Wir stehen am Ende ohne Unterstützung da... Das ist unser Los und auch wenn wir nicht in die Zukunft blicken können, das wissen wir mit Sicherheit.

Namasté eure Andarnil

Ihre Leiden sind Unsichtbar
Wir haben gekämpft und viel Leben gewonnen. 

Wir haben uns selbst missachtet um sie zu sehen.
Um ihnen den Wert zu geben, in einer Wertlosen Zeit. 
Wir haben geweint und gehalten und getragen und verloren.
Sie sind uns unter den Händen gestorben. 
Ihr Blut hat unsere Erde getränkt.

Nun sind wir alt und unsere Gärten voller Gräber
Sie sind schon lange fort
Manchmal sitzen wir dort wo eines liegt und singen
Und singen und singen das Lied vom Tot. 
Ihr Herz schlägt laut
Ihre Stimme ist leise
Wir schreien es hinaus.
Sie sind nicht hier um zu sterben.
Sie sind hier des Lebens willen.
Wir sind es.
Wir sind die Gefahr.
Ihre Leiden sind unsichtbar.

Manchmal sitze ich dort an einem Grab
An ihrem letzten Ort.
Und Tränen laufen über mein Gesicht.
Ich weiß kaum noch die Namen.
Aber ich erinnere mich.
An ihre Wunden und Narben.
An ihre Augen die mich sahen.
Dieser Blick hat sich in meine Seele gegraben.
Ich habe sie geliebt, so geliebt.

Ihre unsichtbare Leiden die trägt der Wind mit sich fort.

Tierhof Amoa
2010-2017

Und wir sind froh, dass wir die Erfahrung machen durften mit ihnen zu wachsen und von ihnen zu lernen. 
Die Trauer vergeht eines Tages, aber die Erinnerung bleibt.
An:
Unseren Hund
Bella
Unsere Katzen:
Shadi (von einem Psychopathen getötet)
Toffi (überfahren)
Mummel (Organversagen)
Tattoo (Nierenversagen, friedlich eingeschlafen)
Manny (Als Welpe gestorben)
Tinker Bell*
Rote*
Less (Überfahren)
Teddy1 (Überfahren direkt vor dem Haus und weiter gefahren. In einer beruhigten Zone).
Teddy2 *
Seppel (Organversagen)
Flocke (Herzschlag. Nach dem Füttern sich noch das Schnäuzchen geleckt und danach einfach umgefallen und war tot. Ich habe noch Mund zu Mund Beatmung gemacht)
Agatha ( unser Maskottchen wurde auf dem Grundstück tot gefunden)
Moon*
Asha*
Issi*
Unsere Schafe:
Mumm
Maxi
Ein Hasserfüllter Mensch hat das Gatter aufgemacht und unsere beiden Schafe sind auf die Autobahn gerannt. Die Verletzungen waren so groß, dass beide erschossen wurden.
Unsere Hühner:
alle bis auf Schwarzi sind an den Folgen der Massentierhaltung gestorben.
Wir hatten 26 Hühner von Rettet das Huhn e.V..
Unser Kaninchen:
Schwarzi lag tot in seiner Voliere, Ursache unbekannt.

(Alle anderen Tiere haben ein neues Zuhause gefunden. )

Und sollte ich hier irgendeinen Namen vergessen haben...

Ihr seid jetzt alle wieder zusammen
In Liebe vereint.

*Diese Tiere sind verschwunden und nicht wieder nach Hause gekommen.





Sonntag, 30. Juli 2017

Tagebuch - zwischen Tolle und mir...







Tagebuch - zwischen Tolle und mir


Ich mag ihn nicht diesen Eckart Tolle. Zwischen ihn und mir klafft da dieser unüberwindbare Graben.
Wenn er anfängt zu reden, möchte ich ihn schütteln, ihn von seinem Stuhl schubsen, ihn kaltes Wasser ins Gesicht schütten - Klatsch!!!

"Kerl mach die Klappe zu oder rede normal mit den Menschen!".

Seine Überheblichkeit, sein unüberwindbarer Ego - der sich hinter dieser überdimensionalen Wohlgefälligen Spiritualität versteckt -   kotzt mich an.

Er verstrickt sich in selbstgefälligen Phrasen und lässt die Leute im Publikum wie kleine Wichtlinge erscheinen. Und dabei kommt nur Ego-Müll aus seinem Mund, selbstgefälliger langatmiger Müll. Nimmt man den Müll auseinander und radiert das Ego aus, dann erst sieht man den Spirituellen Menschen, die belegbare, bereits wissenschaftlich, psychologisch erkannte und dokumentierte Wahrheit. Er ist ein hochintelligenter Mensch der sich sehr wohl in der Naturwissenschaft auskennt und er hat erkannt, wie er das erworbene Wissen in einer Sprache umsetzt die sich anhört als wäre er wahrlich von einem Engel besessen...

Merkwürdigerweise scheint das kaum jemand zu erkennen. Die Leute himmeln ihn an und nehmen es hin, dass er sie klein macht, bei jeder Frage huscht da dieses kleine dunkle Lächeln über sein Gesicht, wenn er dem Wicht da unten sagen kann, wie klein er in Wirklichkeit ist und wie wahrhaftig Toll die eigenes TOLLE-Existenz darüber steht.


Und sie himmeln ihn dafür an. Egal wie lange sein Monolog über die Welt und seine Sicht zum Erwachen andauert, sie haben Geduld mit seinen laaaanngsamen Sätzen. Und wenn er endlich endet, dann fühlen sie sich gesehen. Sie möchten ihm huldigen diesen kleinen schrumpeligen Mann der über ihnen hockt wie die Spinne im Netz.


Oh ich mag ihn nicht. Ich mag ihn nicht, weil das Ego bei allem was er tut so im Vordergrund steht und die Leute genau das brauchen. Sie brauchen jemanden zu dem sie hochblicken können. Den sie anhimmeln können, eine kleine schrumpelige Führerpersönlichkeit, eingemummelt in eine hoch intelligente spirituelle Präsenz.


Ich würde es keine Sekunde in seiner Gegenwart aushalten. Mich erschrecken solche selbsternannten Gurus. Weil sie Macht ausstrahlen und Suggestiv agieren. Sie haben einen Allmachtgedanken und bewegen sich in ihrem Absolutismus.
Und werden gesehen und gehört. (Man könnte jetzt meinen, ich sei neidisch auf solch Individuen. Nein es ist kein Neid, sondern sie ängstigen mich. Mich ängstigt diese Macht die sie ausstrahlen, sie sind so unglaublich weit von Mitgefühl entfernt und je mehr Macht sie über andere Menschen haben, desto mehr verschwindet die Verbindung, Liebe, Mitgefühl.
Das ist es was mich hier erschreckt. Die Verbindung erlicht und alles was bleibt ist ein Volk und ein Führer. Und davon gibt es so viele auf dieser Welt und das ängstigt mich und deshalb schreibe ich hier darüber).


Sie sind die wahren Könige unserer Zeit.
Dabei spielt es keine Rolle ob sie Tolle, Nydahl oder Kuby heißen.
Die Leute brauchen solche Menschen um sich zu fühlen, um wieder zu erfahren warum sie leben - um eine Berechtigung für LEBEN zu erhalten. Um eine Bestätigung für Leid zu erhalten, das Leid notwendig ist um sich spirituell weiter zu entwickeln. Sie brauchen diese Menschen wie die Luft zum Atmen.

Und je mehr ich mich von diesen Gurus entferne, desto mehr wird mir bewusst, dass mein spiritueller Weg ein vollkommen anderer ist... und doch fühle ich ganz weit und tief in mir so etwas wie Anziehung. Macht zieht an und dagegen wehre ich mich. Niemals würde ich so sein wollen wie sie- wie die Führer, wie das Volk.

Stattdessen bewege ich mich in der Masse, fort von Gurus jeglicher Art und Weise. Ich gebe zwischen Menschen und verschwimme mit in ihrem Sein. Und ich fühle, ich fühle ....


Oh ja und ich weiß, das ihr solche Worte nicht hören wollt... Shitstorm ist wahrscheinlich vorprogrammiert. Ich weiß das. Aber gerade heute ist mir mal wieder danach... Heute bin ich mal wieder so gar nicht buddhistisch und das ist auch sehr gewollt...

Alles liebe eure Andarnil

Donnerstag, 27. Juli 2017

Nehmt euch Zeit für einander ...




Anders als in Asien oder Afrika entfernen sich in Europa Eltern von ihren Kindern und umgekehrt. Jeder geht irgendwann seinen eigenen Weg und man trifft sich höchstens mal zu Weihnachten, Geburtstagen oder Hochzeiten, ansonsten weiß der eine nicht wie es dem anderen geht. 
Diese Distanz ist in unserer Gesellschaft Normalität.
Erst heute hatte ich wieder eine sehr schöne aber auch traurige Diskussion mit zwei meiner Freundinnen, beide haben kaum Kontakt zu den Eltern und die Beziehung ist Distanz geprägt. Warum das so ist, können beide nicht so recht beantworten, es hat sich so ergeben. Ich hatte das Gefühl es tut weh, näher an dieses Thema zu gehen. Es sprengt eine innere Kette die sich um die Brust schmiegt.

Meine Freundinnen sind nicht die einzigen die dieses Problem haben. Distanz verschließt und Zuneigung öffnet.
Ich schrieb heute in meinem öffentlichen Tagebuch über meine Beziehung zu meiner Tochter und das Heimweh das sie gerade hat und das ich hoffe dass sich unsere Türen zueinander nie schließen, egal wo sie ist und welchen Weg sie verfolgt.

Ich erlebe es oft - dieses Türen schließen. Die Zuneigung die Menschen eigentlich für einander empfinden bleibt oft vor einem oberflächlichen Geplänkel stehen, weiter traut sich niemand. Da ist die Angst vor dem Alter, Krankheit, Tod, da gibt es unterschiedliche Wege, der eine hat dieses Interesse, der andere das, was verbindet ist die Vergangenheit, dieses Gefühl in den Armen der Eltern zu liegen. Diese Zuneigung die man fühlt ist eine alte Zuneigung und mit dem Alltag des Erwachsenseins kamen andere Empfindungen und Erfahrungen, die sich über die Zuneigung legten wie ein Stein auf einen anderen. Auf einmal war man nicht mehr einer Meinung, auf einmal fühlte man diese Distanz und je älter man wurde, desto distanzierter wurde die Beziehung. Man ging sich aus dem Weg.

Ich hatte letztens eine heftige Auseinandersetzung mit meiner Schwiegermutter, ähnlichen Ursprungs. Da gab es Missverständnisse und unausgelebte Gefühle und eine Bandbreite unterschiedlicher Empfindungen, Meinungen und Betrachtungen, ganze Weltenbreit war die Distanz zwischen uns. Es tat uns beiden weh, denn letztendlich lieben wir uns.
Wir haben beide unsere Leben gelebt und dadurch Erfahrungen gesammelt. Unser Erleben und unsere Erfahrungen sind so unterschiedlich wie sie nur sein können. Und das schafft Distanz. 

Wir sind gerade wieder dabei uns an die Zuneigung zueinander zu erinnern. Ich gebe zu, wenn ich jemanden mag, schaffe ich es nicht lange böse zu sein. Ich sag mir selbst, es ist immer ein Versuch wert, sich wieder anzunähern und sollte der Versuch nicht klappen, dann vielleicht später und sollte es später nicht klappen, dann hat man wenigstens sein Bestes getan und kann den anderen in Frieden und mit Zuneigung gehen lassen.

Drei Versuche der Annäherung Zeitversetzt - beim letzten Versuch entscheidet sich alles... 

Ich glaube das wir nicht daran gewöhnt sind in einer Gruppe von Menschen Familie zu leben, wir sind es gewohnt, dass man sich aus dem Weg geht. Kinder werden geboren und dann heißt es: Schnell wieder arbeiten gehen. Sie kommen in den Hort, dann Kindergarten, dann in die Schule, man sieht sich Morgens und Abends und dazwischen ist man mit sich selbst beschäftigt. Irgendwann wird man älter und man sieht die Kinder vielleicht mal am Wochenende und wenn sie selbst eine Familie haben, dann sieht man sie vielleicht zwei, drei Mal im Jahr, zu Weihnachten und Geburtstagen. Mit dem Alter kommen Krankheiten und Gebrechen und dann wenn man die eigenen Kinder wirklich am meisten braucht, haben sie selbst ihren Alltag und Geschichten und Erlebnisse aufgebaut, sie haben selbst Kinder und gehen vielleicht noch Arbeiten um für den nächsten Urlaub zu sparen, viel Platz bleibt da nicht für die altern Eltern, die vielleicht nicht mehr gut hören und sehen, vielleicht noch nicht mal mehr laufen können. Irgendwann sitzt man in einem Altersheim mit lauter Gleichaltrigen die genauso vergesslich sind und irgendwann stirbt man und an den Gräbern versammelt sich die komplette Familie und beweint den Toten.

Wie unglaublich traurig ist diese Dynamik der Distanz und wie sehr verbreitet sie sich als Normalität.

Ist das wirklich alles?

Ich finde wir brauchen eine andere Familienkultur, nein ich will nicht zurück zu den Ältesten die über die Jüngeren bestimmen, etwas neues, etwas das es noch nicht gegeben hat, oder vielleicht gibt es das schon?

Vielleicht in den Mehrgenerationshäusern in dem alt und jung zusammen leben und sich gegenseitig unterstützen. 

Ich weiß nur eines, so möchte ich nicht enden, nicht in einem Altersheim mit der Gewissheit, dass meine Tochter keine Zeit mehr hat, weil sie eingespannt ist in Beruf und Familie.

Ich möchte noch dazu gehören, zu ihrem Leben und mir ist bewusst, dass ich dafür etwas tun muss. Es reicht nicht diese Gefühle zu haben, die sich jetzt langsam mit Anfang 50 in mir entwickeln. Die Gefühle alt zu sein und älter zu werden. Das Bewusstsein bald nicht mehr laufen zu können, weil meine Behinderung von Schub zu Schub schlimmer wird. Es reicht nicht zu sagen: "Ich hab dich lieb Schatz".

Ich möchte nicht, dass meine Tochter in Arbeit versinkt, egal ob das nun in der Schule ist, oder später in der Ausbildung. Schon heute sage ich ihr: 

"Nimm dir Zeit liebes! Werde nicht so schnell erwachsen. Werde nicht so wie der Großteil der Menschen da draußen. Eilend, Unachtsam und mit sich selbst und dem Geld beschäftigt das man scheffelt für den nächsten Urlaub, oder das Häuschen mit Zaun und Mauer und wohlgeformten Garten. Nimm dir Zeit für deine Freunde, für deine Liebsten und nimm dir Zeit für dich und für deine Gefühle und nimm dir Zeit für mich... "

Es wird eines Tages die Zeit kommen, an dem ich nicht mehr da bin und was ich auf keinen Fall möchte ist diese Beerdigung an dem sich alle wieder finden, die nie Zeit für  mich hatten, als ich noch lebte....

Namasté meine Freunde

Nehmt euch Zeit ihr Lieben!!!

Herzlichst eure Andarnil








Freitag, 21. Juli 2017

Es geben bekannt...



Endlich nach fast 20 Jahren darf ich meine Frau heiraten. 💕


Heute wurde das Gesetz zur Eheschließung Homosexueller Menschen unterzeichnet.
Am 22 Februar 2018, den Tag unserer Eintragung - 20 Jahre nach unserem Kennen lernen, werden wir Heiraten. - wo wissen wir noch nicht genau, aber wir würden gerne auf einem Leuchtturm heiraten.

DANKE!!

Herzliche Grüße und ein Namasté von eurer Andarnil

Dienstag, 18. Juli 2017

OFFENER BRIEF an die Universitätsleitung Uni-Kassel

Zu den unsäglichen Artikeln und Interviews des Professors Ulrich Kutschera habe ich folgende öffentliche EMail an die Universitätsleitung geschrieben:

ÖFFENTLICHER BRIEF!


Bildergebnis für Uni Kassel öffentliche Bilder

Sehr geehrte Damen und Herren,

diese Mail ist an sie alle gerichtet, eine Abschrift hierzu werde ich auch an die Medien weiterreichen, sowie als öffentlichen Brief über Facebook, Google und Twitter verteilen.
Denn was ich hier zu sagen habe, geht alle an und sollte nicht in den Schubladen ihrer Schreibtische verschwinden.

Trotz des offenen Briefes (Distanzierung) der Unterzeichneten der Uni Kassel über das am 11 Juli 2015 gegebene Radio Interview von Ulrich Kutschera
(https://www.uni-kassel.de/fb05/fileadmin/datas/fb05/FG_Politikwissenschaften/Entwicklungspolitik/Offener_Brief_zu_Kutscheras_Aeu%C3%9Ferungen.pdf), werden weiterhin Interviews von ihm gegeben, das letzte erfolgte am: 15 Juli 2017 mit dem Internet und Medienportal: Kath.net (http://www.kath.net/news/60177). Und weiterhin stellt er sich als Professor der Uni Kassel vor, was ein sehr schlechtes Licht auf die Universität wirft und die Leser des Interviews dazu verführt zu denken, sie als Universität würden seine Ansichten billigen und unterstützen.

Ich fordere sie hiermit auf sich öffentlich von den Ansichten des Evolutionsbiologen Ulrich Kutschera zu distanzieren UND Ulrich Kutschera des Amtes zu verweisen. Oder genauergesagt, ich fordere sie auf Ulrich Kutschera zu kündigen.

Ich bin eine von vielen Menschen die über Jahre sexuellen Missbrauch durch heterosexuelle Eltern erlebt haben. In dem letzten Interview sagte Kutschera:

"Bei heteronormalen Elternpaaren mit Kindern sorgt ein genetisch verankertes Inzucht-Verbot, das man auch als "instinktives Tabu" definieren kann, das z.B. bilogische Vätern nicht ihre 20 bis 30 Jahre jüngeren Töchter heiraten und mit ihnen Nachwuchs zeugen".

Ich kann aus genau diesen Gründen keine Kinder austragen, weil mein Vater durch sexuelle Handlungen an mir (vom 4 bis zum 16 Lebensjahr), meine Gebärmutter so stark verletzt hat. dass sie vernarbt ist. Aus dem Grund habe ich 3 Fehlgeburten erlitten. Dass ich trotzdem eine glückliche Mutter eines 9 Jahre alten Mädchens bin, habe ich meiner Frau zu verdanken.

JA ich passe vollkommen in das Feindbild des Professors, ich bin missbraucht worden und ich bin Lesbisch UND ich lebe in einer Familie mit meiner Frau und unserer kleinen Tochter. Weder ich noch meine Frau neigen zu Pädophilie und ich kenne keine Homosexuellen Familien die zu einer solchen Gräultat fähig sind. Im Gegenteil viele Regenbogenfamilien (homosexuelle Familien) haben nicht nur ein Kind, sondern mehrere eigene, adoptierte, sowie Pflegekinder.

Er beleidigt jeden Menschen der innerhalb der Familie sexuellen Missbrauch erlebt hat, er beleidigt unsere Familie in dem er im Interview sagt:

"Sollte das Adoptionsrecht für Mann-Mann- bzw. Frau-Frau - Erotikvereinigungen kommen, sehe ich staatlich geförderte Pädophilie und schwesten Kindesmissbrauch auf uns zu kommen."

Mit diesem Interview setzt er vorraus, dass all diese bereits geborenen, adoptierten und in Pflege genommenen Kinder von Homosexuellen Eltern sexuell missbraucht werden. Er diskriminiert und kriminalisiert nicht nur uns, sondern macht unsere Kinder zu Opfer ihrer Eltern. Das kann und will ich nicht hinnehmen.

Und ich erwarte von Ihnen, die sich dazu verpflichtet haben, als moderne, lebendige Universität den Studierenden ein möglichst fundiertes, fortschrittliches und Zeitgemäßes Bildungsangebot zu bieten, dass sie sich von solchen Professoren entbinden.
Denn Sie stehen als Vorbildfunktion junger Menschen an oberster Stelle.

Es darf nicht sein, dass Sie weiterhin einen Menschen beschäftigen, der von sich behauptet ein Professor ihrer Universität zu sein und seinen Professortitel dafür nutzt um beleidigende, diffamierende, diskriminierende und jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrende Artikel, Bücher und Interviews gegen Homosexuelle Familien mit Kindern zu verfassen.
Er schadet nicht nur uns, sondern vorallem unseren Kindern.

Er schadet einer gesellschaftlichen Entwicklung die endlich ermöglicht, dass wir aus einer Randgruppe, zu gesellschaftlich anerkannten Menschen werden, indem wir heiraten dürfen und unserer Familie somit den Schutz und die Sicherheit gewährleisten die vorallem unsere Kinder brauchen.

Ich erwarte von Ihnen eine öffentliche Stellungname!


Mit freundlichen Grüßen

Johanna Schlitzkus
Künstlerin,
Autorin und freie Redakteurin und Blogerin

Norderende 56,
21782 Bülkau.


Diese Mail wird sowohl in Facebook auf meiner Seite, als auch in meinen Gruppen zum Thema: Regenbogeneltern, Ehe für alle. Als auch auf meinem Google Profil, als auch über Twitter erscheinen.
Auch werde ich eine Abschrift an eine Freundin schicken, die als freie Redakteurin arbeitet.
Desweiteren werde ich mir weitere Schritt vorbehalten.

Donnerstag, 6. Juli 2017

Die Würde des Menschen...



Offener BRIEF (Ich wende mich an alle Politiker die für uns einstehen, ich wende mich an alle Menschen).


Es ist wirklich ganz furchtbar was ich seit dem 30.6. 2017 täglich lesen muss, ich habe damit gerechnet, gerade von Seiten der CDU/CSU, dass sie sich gegen das Gesetz der Ehe für alle zur Wehr setzen. Aber womit ich nicht gerechnet habe, ist der Hass der uns von Seiten Ehe-für-Alle-Gegnern, Homophoben Menschen, Rechtsextremisten und der katholischen Kirche entgegen gebracht wird. Ganz übel und heftigst brutal wird in Kommentaren sprachlich gegen uns und unsere Familien gehetzt. Wir werden mit Tieren verglichen, uns wird vorgeworfen wir seien Pädophil, wir seien krank.
So etwas hinterlässt bei mir ein Gefühl der Scham, ich schäme mich für diese Menschen die in meinem Land leben, in dem ich geboren bin. Ich fühle mich nicht mehr als Deutsche. Im Gegenteil es dauert nicht mehr lange und ich möchte flüchten.

Dabei gibt es für diesen Hass überhaupt keinen Grund. Wir tun niemanden etwas, wir nehmen niemanden etwas weg, im Gegenteil, durch uns wird die Ehe sogar aufgewertet.

Was hier passiert ist eine Schande für Deutschland. Das ist keine Demokratie, sondern Demagogie.

Wir sind Menschen die Frei leben möchten, die sich für eine Ehe entscheiden, weil wir unsere Partner/Innen und unsere Kinder absichern möchten. Wir schätzen die Ehe, weil sie für uns noch Wertvoll ist. Wir sind Menschen, Menschen mit einem Gerechtigkeitsbewusstsein, Gläubige Menschen, Menschen in unterschiedlichen Berufen, Menschen die in der Gesellschaft untergehen, da man unsere Homosexualität nicht erkennen kann. Und genau so soll es sein. Denn wir sind schon seit Menschengedenken Teil dieser Welt.
Und deshalb fordern wir Gerechtigkeit, nicht mehr und nicht weniger.
Wir fordern Respekt, denn eine Toleranz wurde uns all die Jahre gebilligt. Das ist und war nie genug. Toleranz heißt, dass man uns als Minderheit betrachtet. Als Minderwert. Das ist nicht das was wir brauchen, wir brauchen das Gefühl Teil des Ganzen zu sein, Teil aller Menschen, unabhängig des Geschlechts, der Sexualität, Religion, Hautfarbe und Nationalität.

Ich möchte dass es endlich aufhört, dass wir angefeindet werden, verprügelt werden, gehasst werden, getötet werden, abgeschoben, ausgestoßen. Ich möchte mit meiner Familie frei sein dürfen. Ich möchte dass unser Kind endlich als Mensch unter Menschen - Kind unter Kindern akzeptiert wird. Und das möchte ich für jeden Homosexuellen, Bi-Sexuellen, Transsexuellen Menschen und deren Kinder. Es wird endlich ZEIT das man uns erhört. Wir haben eine Stimme, wir haben eine Würde. Die Würde des Menschen ist unanstastbar. Unsere Würde wurde und wird mit Füßen getreten. Ich will das nicht mehr hinnehmen. ICH RUFE HIERMIT ZU EINER STILLEN FRIEDVOLLEN DEMONSTRATION AUF.

Wenn ihr der Meinung seid ist es reicht! Dann teilt meinen Beitrag!

#ICH bin #MUTTER!
#ICH bin #Homosexuell!
#ICH bin #MENSCH!

DANKE fürs Lesen

Johanna Schlitzkus, Mami einer 9 Jährigen Tochter (die ich nicht geboren habe, aber die ich über alles liebe und für dieses Kind kämpfe ich, auf dass sie ihre Rechte niemals erkämpfen muss), Ich bin Frau einer wundervollen Frau.